Österreichs Unternehmen zeigen Widerstandskraft

Unternehmensinsolvenzen im ersten Halbjahr 2026 rückläufig – positive Signale trotz herausforderndem Umfeld 

Die österreichische Wirtschaft sendet im ersten Halbjahr 2026 ermutigende Signale: Gemäß der aktuellen Hochrechnung des KSV1870 ist die Zahl der Unternehmensinsolvenzen gegenüber dem Vorjahr um 2,6 Prozent auf 3.401 Fälle gesunken. Im Vergleich zum ersten Quartal, als der Rückgang bei 6 Prozent lag, hat sich dieser Trend über das gesamte Halbjahr hinweg gefestigt. Das zeigt: Die Anpassungsfähigkeit der österreichischen Betriebe wirkt. 

Rückgang auf breiter Front – viele Branchen erholen sich 

Besonders erfreulich ist, dass der Rückgang gleich mehrere Branchen erfasst hat. Im Handel – traditionell die Branche mit den meisten Insolvenzen – ist die Zahl der Verfahren um 6,3 Prozent auf 553 Fälle gesunken. Das Baugewerbe verzeichnet mit 495 Verfahren ebenfalls ein Minus von 2,8 Prozent. Noch deutlicher zeigen sich die Fortschritte im Grundstücks- und Wohnungswesen (270 Verfahren, –13,2 %) sowie im Bereich Herstellung von Waren (137 Verfahren, –17,5 %). Das sind keine Zufallsschwankungen – das sind klare Zeichen einer schrittweisen Stabilisierung. 

Auch die Entwicklung der Passiva deutet auf moderate Entspannung 

Auch die Passiva entwickeln sich in die richtige Richtung: Die vorläufigen Verbindlichkeiten sind um 4,2 Prozent auf rund 4,2 Mrd. Euro gesunken1. Entscheidend dafür ist, dass deutlich weniger Großinsolvenzen zu verzeichnen sind: Gab es im ersten Halbjahr 2025 noch 14 Fälle mit Passiva von mindestens 50 Mio. Euro, sind es im ersten Halbjahr 2026 nur sechs. 

Weniger betroffene Arbeitnehmer – ein Signal für die Stabilität des Arbeitsmarkts 

Ein besonders positives Zeichen kommt vom Arbeitsmarkt: Die Zahl der von Insolvenzen betroffenen Arbeitnehmer ist im Jahresvergleich um 6,7 Prozent auf rund 9.800 Personen gesunken. Das bedeutet, dass weniger Menschen ihren Arbeitsplatz durch eine Firmenpleite verlieren – ein wichtiger Hinweis darauf, dass vor allem kleinere und mittlere Betriebe, die typischerweise mehr Beschäftigte pro Verfahren schützen, stabiler durch das erste Halbjahr gekommen sind. 

Regionale Unterschiede: Tirol zeigt, was möglich ist 

Die Bundesländer entwickeln sich unterschiedlich, doch das Gesamtbild stimmt zuversichtlich. Tirol verzeichnet mit einem Rückgang von 31 Prozent den stärksten Rückgang aller Bundesländer – ein Beleg dafür, dass regionale Wirtschaftsstärke und gezielte Maßnahmen Wirkung zeigen können. Aber auch viele andere Bundesländer tragen zum bundesweiten Rückgang bei. 

Prognose: Das Vorjahresniveau wird wohl nicht übertroffen 

Der KSV1870 geht davon aus, dass die Gesamtzahl der Unternehmensinsolvenzen für das Jahr 2026 das Vorjahresergebnis von rund 6.800 Fällen nicht überschreiten wird. Historisch gesehen verlangsamt sich die Insolvenzdynamik im dritten Quartal – bedingt durch die Ferienzeit – regelmäßig. Sollte sich dieser Muster auch 2026 wiederholen, spricht vieles dafür, dass das Jahr insgesamt auf einem moderaten Niveau abschließt. 

„Der leichte Rückgang ist ein positives Signal“ – bekräftig Herr  MMag. Karl-Heinz Götze, MBA, Leiter KSV1870 Insolvenz 

Aber: Ein kleiner Wehrmutstropfen bleibt 

Im ersten Halbjahr habt sich heuer die Zahl der nichteröffneten Insolvenzfälle um 7,3 Prozent auf 1.414 Fälle gesteigert. Das belastet die wirtschaftlich gesunden Gläubiger umso mehr. 

Was bedeutet das für Ihr Unternehmen? 

Die Zahlen zeigen: Österreichs Wirtschaft besitzt Resilienz. Wer jetzt in Frühwarnsysteme investiert, Lieferantenrisiken im Blick behält und die eigene Liquidität und das Working Capital aktiv steuert, kann von der schrittweisen Entspannung profitieren. Nutzen Sie die positiven Signale als Ausgangspunkt – und behalten Sie Ihre Geschäftspartner weiterhin im Auge. Denn wer Risiken früh erkennt, kann rechtzeitig handeln.