Liquidität: Das A und O in schwierigen Zeiten!
Die Liquidität eines Unternehmens wird häufig mit den drei verschiedenen Varianten der Kennzahl „Liquiditätsgrad“ gemessen. Der Liquiditätsgrad ist eine zentrale Beurteilung der kurzfristigen Zahlungsfähigkeit Ihres Unternehmens. Es wird gemessen, ob Ihr Unternehmen grundsätzlich fähig ist, die bestehenden kurzfristigen Verbindlichkeiten fristgerecht zu begleichen. Ist Ihr Unternehmen dazu nicht in der Lage, ist das Unternehmen möglicherweise zahlungsfähig und Sie müssen im Ernstfall einen Insolvenzantrag stellen.
Um den worst case möglichst zu vermeiden, können Sie die drei Varianten der Kennzahl „Liquiditätsgrad“ berechnen und interpretieren. Das hilft, ggf. bestehende Risiken frühzeitig zu erkennen und wirksame Maßnahmen zur Liquiditätsverbesserung zu ergreifen. Nachfolgend wollen wir Ihnen die drei Varianten dieser Kennzahl näher vorstellen.
Liquiditätsgrad 1 (Barliquidität) [Cash Ratio]
Dieser Liquiditätsgrad gibt an, ob die sofort verfügbaren Mittel Ihres Unternehmens ausreichen, um alle bestehenden kurzfristigen Verbindlichkeiten zu decken. Zu den sofort verfügbaren Mitteln werden Kassenbestände (also Bargeld), Bankguthaben und Wertpapiere des Umlaufvermögens gerechnet.
Die Barliquidität wird folgendermaßen berechnet:
Liquiditätsgrad 1 = flüssige Mittel : kurzfristige Verbindlichkeiten * 100
Im Ergebnis sollten Sie in der Lage sein, 10 bis 30 Prozent Ihrer kurzfristigen Verbindlichkeiten sofort aus den vorhandenen Barmitteln zu bedienen.
Liquiditätsgrad 2 (Einzugsliquidität) [Quick Ratio]
Diese Kennzahl beinhaltet neben den flüssigen Mitteln auch sonstiges kurzfristiges Vermögen sowie die kurzfristigen Forderungen (u.a. Forderungen aus Lieferungen und Leistungen). Diese Kennzahl bietet oft eine realistischere Sicht auf die kurzfristige Zahlungsfähigkeit, da Forderungen normalerweise in „absehbarer Zeit“ zu Geld werden. Je kürzer die DSO in Ihrem Unternehmen sind, umso besser ist Ihre Zahlungsfähigkeit bei entsprechenden Forderungsbeständen.
Die Einzugsliquidität wird folgendermaßen berechnet:
Liquiditätsgrad 2 = (flüssige Mittel + sonstiges, kurzfristiges + kurzfristige Forderungen) : kurzfristige Verbindlichkeiten * 100
Der Liquiditätsgrad 2 sollte in Ihrem Unternehmen stets bei 100 besser noch bei 120 Prozent liegen. Nur dann sind Sie in der Lage, Ihre kurzfristigen Verbindlichkeiten (z.B. bei Ihren Lieferanten) in kurzer Zeit zu bedienen.
Liquiditätsgrad 3 (Umlaufvermögensquote) [Current Ratio]
Diese Kennzahl zeigt die Fähigkeit Ihres Unternehmens, seine kurzfristigen Verbindlichkeiten mit dem gesamten kurzfristig verfügbaren Vermögen zu decken. Hier wird das gesamte Umlaufvermögen in Relation zu den kurzfristigen Verbindlichkeiten gesetzt. Zusätzlich zu den flüssigen Mitteln und den kurzfristigen Forderungen, werden die Vorräte an unfertigen und fertigen Erzeugnissen (als vergleichsweise schnell realisierbar) mit in die Berechnung einbezogen. Sie ist damit die umfassendste der drei Liquiditätskennzahlen.
Die Umsatzvermögensquote wird wie folgt berechnet:
Liquiditätsgrad 3 = (flüssige Mittel + sonstiges, kurzfristiges + kurzfristige Forderungen + Vorräte) : kurzfristige Verbindlichkeiten * 100
Ein liquides Unternehmen sollte einen Liquiditätsgrad 3 ausweisen, der größer als 120 Prozent ist. Allerdings ist die Interpretation des Liquiditätsgrad 3 nicht ganz einfach. Ein Wert, der sehr deutlich über 120 Prozent liegt (wenn gleichzeitig der Liquiditätsgrad 2 knapp 100 Prozent beträgt), kann auf zu hohe Lagerbestände oder zu hoch bewertete Bestände hindeuten. Das bedeutet, dass zu mehr Kapital gebunden wird als nötig. Wenn der Liquiditätsgrad 3 unter 120 Prozent (und nur geringfügig über dem Wert des Liquiditätsgrad 2) liegt, wird nicht viel Kapital in den Vorräten gebunden (wie beispielsweise bei just in time Belieferung). Das ist einerseits sehr positiv. Andererseits kann das aber auch auf eine tendenziell hohe Abhängigkeit von funktionierenden Lieferketten hindeuten. Für den Fall, dass der Wert der Liquiditätsgrad 3 sogar unter 100 Prozent liegt, ist davon auszugehen, dass Anlagevermögen zu kurzfristig finanziert. Wenn außerdem der Liquiditätsgrad 2 unter 100 Prozent liegt, dann müssen Sie von einem Preis- bzw. Absatzproblem ausgehen.
Fazit
Liquiditätskennzahlen helfen Ihnen dabei, die finanzielle Stabilität und Flexibilität Ihres Unternehmens zu bewerten und potenzielle Liquiditätsrisiken frühzeitig zu identifizieren. Auf solche Kennzahlen achten auch Banken und andere Geldgeber. Sie spielen auch bei der Beurteilung der Bonität Ihres Unternehmens eine große Rolle. Aber es ist nicht sinnvoll, Liquidität zu maximieren, Sie können auch zu viel Liquidität haben. Wenn Ihr Unternehmen zu viele flüssige Mittel besitzt, „liegt zu viel Geld ungenutzt rum“. In solchen Fällen ist es ratsam, das Geld zu investieren oder längerfristig anzulegen.
Die Berechnung der Liquiditätsgrade beruhen auf Stichtagswerten. Sie sind daher statisch. Sie zeigen lediglich das Verhältnis zwischen der Höhe der kurzfristig realisierbaren Vermögenswerte im Vergleich zur Höhe der kurzfristigen Verbindlichkeiten. Das bedeutet aber keineswegs, dass zu jedem Zeitpunkt des Geschäftsjahres ausreichend Liquidität vorhanden ist, um seinen Zahlungsverpflichtungen nachzukommen. Eine dynamische Liquiditätsplanung, ist zur Absicherung gegen echte Zahlungsengpässe unerlässlich. Je geringer die vorhandene Liquidität ist, umso kleinteiliger muss diese zeitlich getaktet sein. In einer Liquiditätskrise ist es ratsam diese Liquiditätsplanung auf Tagesbasis zu erstellen.
Über die Betrachtung der Liquiditätsgrade hinaus ist es sinnvoll, sie im Kombination mit Kennzahlen wie dem Working Capital oder der Kreditoren- und Debitorenlaufzeiten zu analysieren.
