Warum Sie Working Capital Management strategische Priorität einräumen sollten
In der täglichen betrieblichen Praxis zeigt sich in wirtschaftlich schwierigen Zeiten im Unternehmen regelmäßig ein tieferer Konflikt. Es ist ein steter Spagat zwischen Rentabilität und Zahlungsfähigkeit. Das Working Capital Management (WCM) behandelt genau diesen Konflikt. Working Capital Management ist ein zentraler Hebel zur Existenzsicherung des Unternehmens und besitzt damit eine hohe strategische Bedeutung. Dieser Beitrag beleuchtet diese strategische Relevanz und zeigt, warum zu viel gebundenes Kapital die Rendite Ihres Unternehmens reduziert. Ein optimiertes WCM kann diese Risiken reduzieren.
Zielkonflikt: Rentabilität versus Liquidität? Oder das Eine tun ohne das Andere zu lassen?
Unternehmenserfolg wird in der Regel an der Rentabilität gemessen. Jahresüberschüsse, Gewinnmargen und Umsatzwachstum stehen im Vordergrund. Doch Umsatz und Gewinn bedeuten nicht gleichzeitig auch Cash bzw. Liquidität. Darin liegt u.U. eine latente Gefahr. Wer nur auf den Umsatz, den Deckungsbeitrag oder den Jahresüberschuss steuert, agiert möglicherweise riskant. Denn auch ein profitables Unternehmen kann in Insolvenzgefahr geraten. Das passiert z.B. dann, wenn zu viel Geld im Umlaufvermögen (u.a. Forderungen aus Lieferungen und Leistungen, Bestände) gebunden ist und dem Unternehmen nicht als liquide Mittel rechtzeitig zufließen.
Die Gründe dafür sind nachvollziehbar. Vertriebsabteilungen vereinbaren (häufig in Unkenntnis der damit verbundenen Risiken) oft lange Zahlungsziele mit den Kunden. Längere Zahlungsziele sind meist ein gutes Verkaufsargument. Der Einkauf füllt parallel dazu das Lager, um lieferfähig zu sein und zu bleiben. Insbesondere, nachdem in der jüngeren Vergangenheit durch unvorhergesehene geopolitische Ereignisse erhebliche Störungen der Lieferketten aufgetreten sind. Beide Abteilungen optimieren so – wer kann es ihnen verdenken – ihre eigenen, abteilungsspezifischen Ziele. Was sie dabei oft nicht wissen oder nicht beachten: Sie beeinflussen und belasten damit die Liquidität bzw. die Zahlungsfähigkeit des Unternehmens. Ein Teil des Kapitals ist blockiert. Es steht nicht zur Verfügung. Und es entstehen Kosten, denn die Finanzierungskosten steigen.
Ein funktionierendes Working Capital Management kann diesen Konflikt lösen. Es harmonisiert die gegenläufigen Interessen. Es trägt dazu bei, dass die Liquidität trotz der Verfolgung Wachstumszielen stets im Fokus und damit stabil bleibt.
Das Risiko blockierter Mittel im Umlaufvermögen
Was bedeutet zu viel gebundenes Betriebskapital für Ihr Unternehmen konkret? Es bedeutet u.a. verstärkte Abhängigkeit von Banken oder anderen Fremdkapitalgebern. Es verursacht aber auch höhere Zinsaufwendungen, weil die aufgenommenen Kredite größer sind, als sie bei einem optimierten Working Capital sein müssten. Jedes Kilo Material, jeder Artikel, jedes Teil im Lager kostet Geld. Jede unbezahlte (und ggfs. überfällige) Rechnung ist ein zinsloser Kredit an den Kunden.
In betriebs- und volkswirtschaftlich schwierigen Zeiten wird diese Bindung der liquiden Mittel für Ihr Unternehmen u.U. schnell riskant. Kreditlinien bei den Banken werden enger und die Kreditvergabe restriktiver . Kunden verlangen noch längere Zahlungsziele oder zahlen noch später. Manche Kundenzahlungen fallen vollständig aus. Die Auftragslage wird ggfs. schlechter bei zeitglich steigenden Einkaufspreisen. Wenn dann die eigenen Verbindlichkeiten fällig werden (und dort eher kürzere Zahlungsziele bestehen), entsteht ein gesteigerter Bedarf an liquiden Mitteln. Die vorhandenen Barmittel (Kasse/Bank), wenn sie denn hoch genug sind, sind dann der Rettungsring. Ist dieser Rettungsring durch unzureichende Fokussierung und ineffiziente Prozesse aber zu klein (oder -um bei der Metapher zu bleiben – die Luft raus), fehlt Ihrem Unternehmen schnell der nötige Handlungsspielraum. Ihr Unternehmen verliert dann möglicherweise seine Agilität. Sie können keine Rabatte oder keine Skontierung mehr nutzen. Sie können nicht in neue Projekte investieren.
Die Rolle des Credit Managers im Working Capital Management als strategischer Partner
Früher war der Credit Manager der „Verhinderer“ von Risiken und dadurch oft auch der Blockierer von Umsätzen. Die Rolle hat sich gewandelt. Heute ist er ein strategischer Partner des CFO.
Credit Manager sichern nicht nur Risiken ab. Sie steuern im Rahmen des Working Capital Management aktiv die Liquidität. Sie analysieren die Bonität des Kunden vor dem Geschäftsabschluss. Sie definieren klare, risiko-, umsatz- und liquiditätsadjustierte Kreditlimits. Sie sorgen für die Einhaltung von Zahlungszielen. Damit beeinflussen sie direkt die Kapitalbindungsdauer. Sie transformieren Forderungen schneller in liquide Mittel. Das senkt die Abhängigkeit von externen Finanzierungen. Das verbessert die Bilanzstruktur und relevante Bilanzkennzahlen.
Lessons learned
Working Capital Management ist eine strategische Notwendigkeit. Es stellt sich nicht die Frage: Liquiditätssicherung oder Rentabilitätsmaximierung. Es geht um die Optimierung (nicht um die Maximierung) von Cash und Gewinn. Credit Manager sind (neben den Einkäufern, Disponenten und Bestandsmanagern) im Working Capital Management die Wächter dieser Liquidität. Sie schlagen die Brücke zwischen Vertriebserfolg und finanzieller Stabilität. Sie machen das Working Capital für den großen Block der Forderungen messbar und steuerbar.
