Früherkennung von Ausfallrisiken – die Nächste
Schon mehrfach haben wir an dieser Stelle über die Notwendigkeit gesprochen, das Risiko von Forderungsausfällen möglichst frühzeitig zu erkennen. Dabei haben wir den Fokus stets darauf gerichtet, dass Sie (die Gläubiger) versuchen das Risiko einzuschätzen, ob Ihre Forderung oder aber auch der betreffende Schuldner Gefahr laufen auszufallen. So weit – so gut!
Wir haben uns dabei bislang aber noch nicht mir der Frage beschäftigt, ob es für Sie (die Dienstleister und Lieferanten) auch wichtig ist, sich Gedanken darüber zu machen, ob Ihre Kunden sich mit der Früherkennung ihrer Ausfallrisiken befassen.
Warum Sie wissen sollten, ob Ihre Kunden ein gutes System zur Früherkennung von Ausfallrisken haben.
Es kommt gar nicht so selten vor, dass eine Kundeninsolvenz durch Forderungsausfälle zur Zahlungsunfähigkeit des Gläubigers führt. „Forderungsausfälle waren bereits vor COVID-19 die Ursache für jede dritte Firmeninsolvenz in Deutschland.“[1] Auch, wenn es sich dabei um die Einschätzung eines Kreditversicherers in Deutschland handelt, dürften die Zahlen für Österreich nicht extrem abweichen. Wenn auch nur 20 Prozent der Unternehmensinsolvenzen in Österreich mehr oder weniger direkt darauf zurückzuführen sind, dass Kunden Insolvenzantrag stellen mussten, ist es unseres Erachtens ratsam, sich die Frage zu stellen, wie gut die eigenen Kunden gegen Forderungsausfälle gewappnet sind und wie früh- (recht-)zeitig sie auf solche Ausfälle reagieren können. Denn je früher, schneller oder besser Ihre Kunden die Risiken von den eigenen Forderungsausfällen erkennen können, umso sicherer sind Ihre Forderungen gegen diese Kunden.
Gesetzlich sind Unternehmen in Österreich zu Risikomanagement verpflichtet. Bei der Risikofrüherkennung wird nach bestandsgefährdenden Risiken (mit 12 Monatsvorausschau) und Risiken mit Auswirkung auf Ertrags-, Finanz- und Vermögenslage (mit 24 Monatsvorausschau) unterschieden.[2] Zweifelsohne dürfte eine potenzielle Insolvenz von Kunden Auswirkungen auf die Ertrags-, Finanz- und Vermögenslage des Lieferanten/ Dienstleisters besitzen. Je besser Ihre Kunden das eigene System zur Früherkennung von Ausfallrisiken ausgestaltet haben, umso sicherer sind Ihre Forderungen bei diesen Kunden. Letztlich ist die Frage der Früherkennung von Ausfallrisiken eine Frage der Bonität Ihres Kunden. Je größer und bedeutender ein Kunde für Ihr Unternehmen ist, umso wichtiger ist es für Sie, sich mit der Frage, ob Ihr Kunde ein gutes System zur Früherkennung von Forderungsausfällen besitzt, zu befassen.
Nicht nur Kundeninsolvenzen, auch Lieferanteninsolvenzen können zur Zahlungsunfähigkeit Ihrer Kunden und damit zu eigenen Zahlungsausfällen führen
Im Credit- und Forderungsmanagement konzentrieren wir uns in der Regel auf die Debitoren. Für Ihre Kunden können natürlich auch deren Kreditoren zu einem Risiko erwachsen. Wenn bei Ihren Kunden wichtige Lieferanten ausfallen (z.B. durch Insolvenz, Störungen der Lieferkette, Sanktionen) kann dies dazu führen, dass Ihre Kunden nicht mehr produzieren und dadurch keine Umsätze mehr tätigen können. Für Sie stellt sich daher auch für die Bonitätsbeurteilung Ihrer Kunden die Frage, wie abhängig Ihre Kunden von einzelnen Lieferanten sind und wie gut und wie frühzeitig Ihr Kunde auch auf seiner Kreditorenseite Ausfallrisken überwacht und bewertet.
Früherkennung, aber maßvoll!
Selbstverständlich können Sie nicht bei jedem Ihrer Kunden eine umfassende Bewertung durchführen, wie gut und leistungsfähig dessen Früherkennungssystem zur Identifikation und Bewertung von Ausfallrisiken ist. Für Sie sollte der Schwerpunkt auf die Kunden gelegt werden, deren Ausfall für Sie existenzbedrohend werden kann.
Besser Sie erkennen Ihre existenzgefährdenden Risiken frühzeitig, als dass Sie in einer Vielzahl von Kleinstrisiken den Wald vor lauter Bäumen nicht erkennen. Und außerdem: Auch Früherkennung muss nicht nur effektiv, sondern auch effizient sein.
